Prof. Dr. Margareta Dörr
seit 2004 -
Langjährige Erfahrungen in den sozialen Problemfeldern "personale Gewalt gegen Kinder/Jugendliche" sowie "antisoziale Tendenzen von Kindern und Jugendlichen" zeigen, dass in beiden Fällen bereits in der frühesten Kindheit eine problematische Interaktion zwischen Eltern und Kindern begonnen hat, die sich in den unterschiedlichsten Ausformungen von Gewalt gegen Kinder sowie Gewalt von Kindern manifestieren kann. Auch in neueren Risikostichproben (vgl. u. a. Grossmann 2003; Göpel 2002; Pedrina 2001), in denen sexueller Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigung und/oder unangemessenes elterliches Verhalten gegen Kinder vorlagen, konnte der Zusammenhang von sozialer Benachteiligung, Depression und Hilflosigkeit bei den Eltern und 'unsicheres', 'ambivalentes' und 'desorganisiertes' Bindungsverhalten der Kinder/Jugendlichen beobachtet werden.
Im Raum Neunkirchen und Homburg hat sich eine Projektgruppe (Kinderärztinnen, Psychologinnen, Hebammen, Sozialarbeiterinnen, Kinderpflegerinnen) gegründet, die sich den diversen Ausdrucksformen, die sich im Kontext von krisenhaften Interaktionsverläufen zwischen Bezugspersonen (meist Mütter) mit ihren Säuglingen und Kleinkindern im präverbalen Alter zeigen können, zugewendet haben und in Einzelfällen, in denen die Eltern nachfragen auch Unterstützungs- bzw. Beratungsangebote machen.
Ziel des Forschungsprojektes ist zum einen eine rekonstruktiv-evaluative Analyse der Erfahrungen von involvierten Akteuren (NutzerInnen und Professionelle) in Neunkirchen und Saarbrücken zur Weiterentwicklung von präventiven psychosozialen Hilfen für Eltern mit ihren Säuglingen und Kindern im präverbalen Alter. Zum anderen sollen die Forschungsergebnisse dazu beitragen, erweiterte bzw. verbesserte Kooperationen zwischen (niedrigschwelliger) Sozialer Arbeit (KJHG), PsychologInnen, KinderärztInnen, Kinderkrankenpflege, Hebammen u.a. Professionelle im psychosozialen Sektor zu entwickeln.
Gegenstand der Studie sind zum einen die quantitativen Daten der NutzerInnen des Projektes "Unterstützung der Erziehungskompetenz von Eltern bei krisenhaften Interaktionsverläufen mit ihren Säuglingen und Kleinkindern" bezogen auf Anfragen, Verweisungs- bzw. Überweisungskontexte, Fallzahlen, soziodemographische Daten der NutzerInnen, spezifische Problemlagen, Beratungsdauer etc. vorgesehen. Damit kann die Rahmung (objektive Daten) der Zielsetzungen des Präventionsvorhabens transparent werden und im Zuge der 'formativen Evaluation' kann z. B. frühzeitig erkannt werden, welche Formen der Öffentlichkeitsarbeit (bezogen auf Professionelle bio-psycho-sozialer Praxis sowie der potentiellen NutzerInnen) angemessen und wirksam sind.
Zum anderen die qualitativen Daten (narrative Interviews) über die Erfahrungen der Nutzerinnen mit den angebotenen Kriseninterventionen (Wirkanalyse) sowie die strukturellen Bedingungen des Beratungsangebotes, die impliziten und expliziten Wissensbestände und Deutungsmuster der professionellen Akteure, ihre Erfahrungen und Vorstellungen/Konzepte im o.g. Problemkontext, ihre spezifischen Arbeitsbögen, die die prozessualen Abläufe der Interventionspraxis bestimmen.
Die jeweiligen (Zwischen-)Ergebnisse sollen in die Weiterentwicklung der Konzeption des Interventionsprojektes einfließen.
Mitarbeiterinnen:
Annette Kerfin, Dipl.-Soz.Arb./Soz.Päd. (FH)
Daniela Klein-Vecerdea, Dipl.-Soz.Arb./Soz.Päd. (FH)
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