Rektor der Katholischen Hochschule
für Soziale Arbeit Saarbrücken
Erscheinungsdatum: 02.07.2006
Vor 25 Jahren startete an der Katholischen Hochschule ein dreijähriger Pilotstudiengang "Strukturelle Familientherapie".
Familientherapie war damals das Schlüsselwort für ein neues revolutionär empfundenes Denken in der Psychotherapie und der Sozialen Arbeit. Probleme, Lebensschwierigkeiten, psychische und psycho-somatische Krankheiten wurden nicht mehr auf das Individuum allein bezogen, sondern als Ausdruck und Krise prekärer Beziehungskonstellationen in Familie und aktuellen sozialen und beruflichen Situationen verstanden. Folgerichtig wurde nicht mehr der einzelne Klient allein, sondern auch die am Problem Beteiligten in die Behandlung einbezogen. Das erforderte ein völlig neues systemtherapeutisches Vorgehen, das dann in Amerika, in Heidelberg und auch im Saarland entwickelt wurde. Heute gehört es zum Standard lösungsorientierter Therapie und Sozialer Arbeit. Aber bis heute kann das aufwendige, aber sehr viel kürzere und wirksamere Vorgehen nicht selbstverständlich mit Krankenkassen abgerechnet werden.
Die Katholische Hochschule gewann damals unter wissenschaftlicher Leitung von Professor Jürgen Klatte die führende Vertreterin des Strukturellen Ansatzes in Deutschland, Frau Professor Margarethe Hecker, Darmstadt, sowie Herrn Professor Dr. Jochen Schweitzer-Rottloff, Heidelberg und Dr. Han van den Blink, Philadelphia, für die Ausbildung. Der Pilotstudiengang wandte sich an bewährte, handverlesene Fachleute aus dem Bereich Psychotherapie und Familienarbeit. Der Studiengang wurde - wie es Ingwart Tauchert, Fachreferent am Sozialministerium und selbst Absolvent, ausdrückte - "zur Kaderschmiede" nicht nur für das konkrete Systemische Arbeiten, sondern auch für die Fortentwicklung der Psychotherapie in Deutschland und im Saarland: So entwickelte zum Beispiel Frau Wackernagel-Jacobs - Familientherapeutin und Supervisorin am Projektstudiengang - als spätere saarländische Sozialministerin und Sprecherin der Bundesländer, das Psychotherapeutengesetz mit. Frau Ilse Rohr setzte dies dann als Präsidentin der Psychotherapeutenkammer des Saarlandes in die Praxis um. In leitenden Stellungen, in der Ausbildung und in Publikationen wurde dann von Teilnehmern, wie zum Beispiel Dr. Friedhelm Klees-Krohn, Professor Ria Zeitz-Degott u.a. das erworbene Wissen und Können weitergegeben.
Am Freitag, den 7. Juli, 9.30 Uhr hat nun die Katholische Hochschule unter Federführung von Prof. Jürgen Klatte zur Jubiläumstagung geladen. Es soll bilanziert werden: Der Stand der Familientherapie damals, die Wege der Systemischen Praxis und Lehre international und "saarländisch", die Frage, wo die Familien- und Systemtherapie 2006 steht, soll beantwortet werden. Wie sieht das praktische, lösungsorientierte Arbeiten mit Komplexität, Zirkularität, Konstruktivismus und Selbstorganisation heute aus?
Zu der Jubiläumsveranstaltung wurde der Mentor der Familientherapie in Deutschland, Prof. Dr. Dr. Helm Stierlin, Heidelberg geladen. Er und Prof. Jürgen Klatte werden als Pioniere, Zeitzeugen und aktuelle Beobachter den "Stand der Kunst" damals und (vor allem) heute referieren.
Nach der Mittagspause können dann Foren saarländischer, systemorientierter Institutionen, wie z.B.
- die Saarländische Gesellschaft für Systemische Therapie und Beratung
- das Institut für angewandte Psychologie und psychotherapeutische Medizin
- das Forschungs- und Fortbildungsinstitut DIE WERKSTATT besucht werden.
Kurzentschlossenes Kommen ist möglich (Tel. 9 71 32 12; e-mail: Rektorat)
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