Dieses Lehrangebot ist dem Studienbereich Interventionslehre zugeordnet. Traditionsgemäß bildet die Mediendidaktik ein Teil des Lehrangebotes in der sozialpädagogischen/sozialarbeiterischen Ausbildung, die sich aus den Erfordernissen und Zielen der einzelnen Arbeitsfelder ergibt.
Ein allgemein anerkanntes Curriculum der Fachhochschulen liegt nicht vor, das Angebot an unserer Hochschule ist folglich bis zu einem gewissen Grade subjektiv. Dieser Studienbereich wird an anderen Hochschulen mit der Bezeichnung "Ästhetik und Kommunikation"; "Medienpädagogik" bzw. "Pädagogische Medien" ausgeschildert.
Der Begriff Medien wird hier in seinem ursprünglichen Sinne mit Mitte, die zwischen den beteiligten Menschen entsteht, verwendet. Die Verbindung mit dem Begriff Didaktik soll zeigen, dass der bewusste Einsatz eines pädagogischen Mediums immer der didaktischen Planung und einer pädagogischen Zielsetzung (im Sinne der kritischen Didaktik) bedarf.
Es handelt sich um Medien, die die Bereiche Kommunikation, Gestaltung, Bewegung, Sprache und Literatur, Musik, Bildende Kunst, Werken, Spiel, Sport, Video, Computer etc. betreffen.
Die Vorbereitung auf ein späteres sozialarbeiterisches Handeln erfordert die anwendungsbezogene Vermittlung mediendidaktischer Kompetenz, dabei müssen Forschung, Lehre und Praxis ineinander übergreifen. Die zu vermittelnden Ziele, Inhalte und Methoden dienen nicht nur der Bildung der Studenten/innen selbst, sie sollen grundlegend für die Erziehungs- und Bildungsarbeit in der späteren Berufspraxis sein. Die Studierenden sollen gemäß der aktuellen Aufgabenstellungen in der beruflichen Praxis befähigt werden, die entsprechenden pädagogischen Medien in ihre Arbeit einzubeziehen.
Fachspezifische (z.B. Sportdidaktik) und fachübergreifende Kriterien sind dabei zu berücksichtigen. Das Ziel besteht nicht in der Qualifizierung für ein bestimmtes pädagogisches Medium um seiner selbst willen, hier geht es vielmehr um die Entfaltung von Fähigkeiten für eine professionelle Praxis und der Förderung und Entwicklung folgender Kompetenzen:
- personale Kompetenz (Entfaltung menschlicher Affektivität, Sinnlichkeit und Kreativität)
- soziale Kompetenz (Förderung kommunikativer Beziehungsmöglichkeiten)
- mediale Kompetenz. (Qualifizierung im Umgang mit Massenmedien)
- didaktische und fachdidaktische Kompetenz (Qualifizierung im Umgang mit pädagogischen Medien).
Dabei gilt es, das Bedürfnis nach eigener Wahrnehmung zu fördern, um auf diesem Wege neben der Umwelt auch die eigene Person differenzierter wahrnehmen zu können, als lediglich über das sprachliche Ausdrucksvermögen. Es geht auch darum, sinnliche Erfahrungen als Grundlage für die Entwicklung spezieller Kompetenzen zu ermöglichen. Die Teilnehmer/innen sollen befähigt werden, zu erkennen, dass unsere Wahrnehmung soziokulturell geprägt ist. "Wir sehen, was wir zu sehen gelernt haben". Neben den Sprachwelten haben die Bildwelten und Raumerfahrungen eine wichtige Bedeutung für die Herausbildung von Identität. Die kreative Betätigung mit einem Medium im Rahmen der Ausbildung bietet dem Teilnehmer/der Teilnehmerin die Möglichkeit, sich neu zu erleben und neue Erfahrungen zu machen. Das Entdecken neuer Möglichkeiten eigenen Handelns kann zu einer Förderung des Selbstwertgefühls führen, was sich auf das gesamte seelische Erleben auswirkt.
Die Studierenden sollen Fähigkeiten entwickeln, "Spiel-Räume" im mehrfachen Sinne für die beabsichtigte Förderung ihrer späteren Zielgruppe bereitzustellen. Dabei muss der experimentelle Charakter beim Einsatz pädagogischer Medien als wesentliches und durchgängiges Merkmal gesehen werden. Dieses experimentelle Handeln darf nun keineswegs verstanden werden als "Herumexperimentieren"; es bedarf vielmehr der systematischen Sichtung und Interpretation aller beteiligten Faktoren. Besonderen Stellenwert nehmen gruppenbezogene Medien wie Spiel und Musik ein, denn diese Medien fördern in besonderem Maße die Kommunikation und die Kooperation unter den Teilnehmern. Die Erkundung von Möglichkeiten und Grenzen pädagogischer Einflussnahme, z.B. über Spielformen vermittelt den Studierenden das Zusammenwirken von Körpererfahrung und kognitiven Begleitprozessen. Dabei geht es nicht nur um die "Spielgestalt", sondern auch um das, was mit Menschen im "Spielablauf" geschieht. Der Lernprozess, der auf diesem Arbeitsweg absolviert wird, ist von größerer Bedeutung als das Produkt.
Eine Schwierigkeit in der Ausbildung besteht in der Berücksichtigung entsprechender Ziele, Inhalte und Methoden für eine fast unüberschaubare Vielfalt von Arbeitsfeldern, wie Hort, Jugendarbeit, Familienhilfe, Strafvollzug und Altenhilfe. Dort kommen die pädagogischen Medien teilweise mit unterschiedlichen Zielsetzungen zum Einsatz. Ziel ist es, die Klienten zur Teilhabe an der Gesellschaft und insbesondere an der Kultur zu befähigen. Die UNESCO bezeichnet den Zugang zur Kultur und die Teilnahme am kulturellen Leben als wesentlichen Bestandteil der "Sozialpolitik", denn jedermann sollte die Möglichkeit offen stehen, "sich frei auszudrücken, Kommunikation zu pflegen, zu handeln und schöpferisch tätig zu sein".
Im Rahmen der Seminare werden teilweise neue Konzepte für die Arbeit mit unterschiedlichen Zielgruppen erprobt und modifiziert. Dabei werden auch Materialien für die Praxis erarbeitet, etwa in Form von Klangbeispielen, Videos oder Texten. Es geht unter anderem auch darum, Medien in ihren ästhetischen und außerästhetischen Qualitäten zu analysieren und zu bewerten sowie ihre pädagogischen und gesellschaftlichen Wirkungen zu reflektieren. Jedes Medium beinhaltet spezifische Lernmöglichkeiten bezüglich der Wahrnehmungsäußerungen, Erfahrungen, Wirkungen und Kommunikation. Dabei müssen kognitive, affektive und psychomotorische Aspekte berücksichtigt werden.
Die Studenten/innen belegen 8 Semesterwochenstunden im Fach Mediendidaktik. Für interessierte Studierende besteht darüber hinaus die Möglichkeit, ein Zertifikat zu erwerben. Hierzu müssen sie 12 Semesterwochenstunden belegen und ein Projekt vorbereiten, durchführen und reflektieren. Zertifikatskurse werden in Spielpädagogik, Sport und Medienpädagogik angeboten.
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